Hell, yes!
Ein paar Flamingos haben überlebt.

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Das Ding mit dem Trend. Wenn es erst so genannt wird, ist es schon vorbei.

»Spring auf, solange es lohnt? Oder am besten gleich:
Finger weg

Das rosa Federtier hat lange durchgehalten.
Mittlerweile ist es aber auch auf die Wühltische verbannt worden, wird mit Nichtachtung gestraft und erntet peinlich verdrehte Augen. Oder es genießt in seiner wahren Schönheit als faszinierendes Lebewesen weiter staunende und bewundernde Blicke. Eins ist jedenfalls klar, auch die Ananas – die kurze Zeit später nachrückte – ist bereits auf der Talfahrt ins Aus. Bis zum Sommer wird sie nur noch als Obst und Gaumenfreude gekauft werden.

Trend und stirb.
Der Trend an sich ist eine Vorhersage, die sich nach Markt, Konsument und Kaufkraft in einem bestimmten Zyklus errechnet. Eine Vorhersage der Marktentwicklung, die in erheblichem Maße auf Beobachtung und Marktanalyse beruht. Eine Vorhersage, die enorme Gewinne und Marktanteile mit sich bringen kann. Ebenso allerdings auch in einer Fehleinschätzung münden kann.

Vorreiter oder Herdentier?
Dabei gibt es zwei Ausgangspunkte: selber Treiber eines Trends zu sein oder auf einen Trend aufzuspringen. Beides birgt Vorteile und Risiken. Ersterer: in der Entwicklung an sich (Wird die Vorhersage zum Trend? Kann ich dadurch meine Marktführerschaft sichern oder erlangen? Lohnen die hohen, vorbereitenden Investitionen? …). Und Zweiterer: in dem Umfang der Nutznießung (Ist der Trend umfassend genug, um nicht als ,Me-too-Produkt’ abgestempelt zu werden? Ist der Trendzyklus lang genug, um trotz Zeitverzögerung daran gewinnbringend partizipieren zu können? …).

Lohnenswert ist, neben dieser theoretischen Komponente, den Mensch dahinter unter die Lupe zu nehmen und zu verstehen. Wie er sich – vor allem unterbewusst – verhält und agiert, in welchen sozialen Umfeldern und Kontexten er unterwegs ist, wie er emotional und rational erreichbar ist. Denn das ist im Endeffekt entscheidend.

Dabei ist der Mensch so einfach gestrickt.
Der Mensch tut gerne, was andere tun. Der Mensch orientiert sich an denen, die er bewundert. Und der Mensch möchte akzeptiert werden, besonders sein, aus der Masse herausstechen, individuell sein. Was er aber auf keinen Fall möchte, ist so zu sein, wie jeder andere.

Damit ist auch der Lebenszyklus eines Trends erklärt.
»Wenn etwas anders /neu ist, beäugt man es misstrauisch.« Jede Innovation oder Änderung stört erst einmal die lieb gewonnen Gewohnheiten. Und man ist nur nach und nach bereit, etwas Neues zu akzeptieren und es schließlich zu wollen.

»Wenn es die Richtigen – also Trendsetter, Leader, soziales Umfeld – haben, will man es auch.« Und es wird zum ,Must have’. Genau jetzt kann es gelingen, auch von anderer Seite diesen Trend zu nutzen, denn der Kaufwille beginnt zu steigen.

»Wenn man es selbst hat, steigert es den Selbstwert durch Anerkennung anderer. Man steigert sein Image mit diesem Trend. Und der Trend wird stetig weitergetragen.« Die Dauer dieser Phase hängt vom jeweiligen Trend ab, seiner Überschwemmung im Markts und dem Zeitraum, der nötig ist, Nachfolgeinnovationen zu liefern. Der Einstieg in einen Trend zu diesem Zeitpunkt ist äußerst kritisch und kann hohe Verluste mit sich bringen, wenn der Trend kippt.

»Wenn es alle haben, will man es nicht mehr. Oder: Wenn etwas Besseres kommt, beginnt eine Neuorientierung.« Und ruck zuck ist der Trend vorbei. Der Flamingo wird durch die Ananas oder das Memphis-Muster ersetzt. Puma durch Adidas. Das Tablet durch das iPad Pro.

Das Gute an einem Zyklus?
Er bietet Chancen. Er erneuert sich stetig. Er lässt ein Auf- und Abspringen zu. Jederzeit. Und er lebt und orientiert sich ausschließlich an Mensch, Zeit, und Kontext. Und genau das sollte man im Auge behalten: Mensch, Zeit und Kontext.

Dies nur als kurzer Exkurs in Sachen Trends – dem Flamingo gewidmet. Mehr zum Thema Mensch, Verhalten und seine Interaktion mit Marken finden Sie in der Rubrik Outside-in. Interaktion mit mir oder anderen über dieses Thema ist natürlich auch möglich. Schreiben Sie gerne einen Kommentar per Mail oder teilen Sie den Artikel über Facebook.

Weil Menschen gern tun, was andere tun.

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Die Entwicklung von Innovationen baut auf das Umfeld, auf Megatrends und Absplitterungen davon.

Die Fragen sind: Welches sind die globalen, politischen, kulturellen, ökologischen, gesellschaftlichen und technologischen Trends, die einen breiten Ausgangspunkt für Produkt-Innovationen bieten? Was ist gesellschaftlich relevant und wird auf breites Interesse stoßen? Was – in der breiten Masse – interessiert die Menschen und hilft ihnen mittelfristig weiter?

»Der Innovationsprozess ist wie Goldschürfen.«

Die Fragestellungen sind natürlich erweiterbar, stehen aber alle vor ,einer‘ Herausforderung.
Damit die Idee zur Innovation wird und die Innovation zum gefragten Verkaufsschlager, muss man sich wohl oder übel mit der Frage beschäftigen: Was ist für den einzelnen Menschen relevant, hilft ihm mittelfristig weiter und hat trotzdem massentaugliches Umsatz-Potenzial? Und wie kann ich den einzelnen Menschen erreichen, obwohl ich für den Erfolg hohe Absatzmengen erreichen muss? Individualität versus Anpassung.

Nennen wir es doch einfach Innovations-Trend.
Nichts anderes ist es schließlich. Egal ob umfassend auf eine Branche gemünzt, oder als Produkte und Dienstleistungen entwickelt oder auch für die Änderung von Verhaltensweisen vorbereitend für größere Produktgruppen geplant.

Wenn Ideen entwickelt werden, die sich in einem wachsenden Trend befinden, setzt ein einfacher Mechanismus ein – etwas sehr Menschliches in der Verhaltensweise: Menschen tun gerne das, was andere tun. Sie begeistern sich für Dinge, Verhaltensweisen oder Auffassungen, die andere haben. Je öfter sie etwas sehen, desto mehr wollen sie daran partizipieren: Zur Gruppe gehören, ebenfalls Trendsetter sein – oder zumindest up-to-date. Angesehen sein. Der Beitrag ,Mysterium Marke’ hatte dies ja bereits genauer beleuchtet.

Gruppendynamik ist das, was man braucht. Wenn diese Gruppendynamik für eine lange Zeitspanne anhält, ist viel erreicht. Wenn man sich möglichst lange in eine Pol-Position innovieren kann, ist es schon das Tüpfelchen auf dem ,i’. Und wenn man dann diese Marktführerschaft durch frühzeitig geplante Modifizierungen der Innovation nicht mehr abgibt, bedeutet das nicht nur langfristigen Erfolg für Absatz und Unternehmen, sondern einen hohen Imagewert sowie Vertrauensvorschuss durch die Käuferschaft über lange Zeit.

Bestes Beispiel: Apple.
Nicht nur ein Technologiekonzern, auch – und vor allem – ein hervorragender Marketingkonzern. Über Jahrzehnte bis heute Innovationsführer in Sachen Computer, Mobile Endgeräte und so weiter. Nicht nur mit seinen Produkten, sondern ebenfalls in der Nutzerorientierung, Optik, Kommunikation und Interaktion. Und ein Phänomen in Sachen Timing. Der Wechsel zu neuer Innovation wird fast schon auf den Zenit des vorherigen Produkts gelegt. Besonders revolutionär in der Betrachtung der Desktop-Generationen.

Und das bedeutet für andere Unternehmen: Das Folgen des Trends ist zwecklos, die Entwicklungsspanne zu kurz, man hinkt dem Trend hinterher und kann nur noch in Teilen davon profitieren.

Vorausschauen, Mittelfristigkeit, Timing und gute Planung sind gefragt – bei Idee, Innovation und deren Vermarktung.

Das Thema Innovation geht natürlich noch weiter. Der nächste Beitrag handelt von der relevanten – aber auch schwierigen – Eigenliebe.
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